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| Wilhelm Meisters Lehrjahre 8 |
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Zehntes Kapitel II
Er wollte weiterreden, aber Friedrich sprang mit großem Geschrei herein.
"Welch einen Kranz verdien ich?" rief er aus, "und wie werdet ihr mich belohnen? Myrten, Lorbeer, Efeu, Eichenlaub, das frischeste, das ihr finden könnt, windet zusammen; so viel Verdienste habt ihr in mir zu krönen. Natalie ist dein! Ich bin der Zauberer, der diesen Schatz gehoben hat."
"Er schwärmt", sagte Wilhelm, "und ich gehe."
"Hast du Auftrag?" sagte der Baron, indem er Wilhelmen festhielt.
"Aus eigner Macht und Gewalt", versetzte Friedrich, "auch von Gottes Gnaden, wenn ihr wollt; so war ich Freiersmann, so bin ich jetzt Gesandter, ich habe an der Türe gehorcht, sie hat sich ganz dem Abbe entdeckt."
"Unverschämter!" sagte Lothario, "wer heißt dich horchen!"
"Wer heißt sie sich einschließen!" versetzte Friedrich, "ich hörte alles ganz genau, Natalie war sehr bewegt. In der Nacht, da das Kind so krank schien und halb auf ihrem Schoße ruhte, als du trostlos vor ihr saßest und die geliebte Bürde mit ihr teiltest, tat sie das Gelübde, wenn das Kind stürbe, dir ihre Liebe zu bekennen und dir selbst die Hand anzubieten; jetzt, da das Kind lebt, warum soll sie ihre Gesinnung verändern? Was man einmal so verspricht, hält man unter jeder Bedingung. Nun wird der Pfaffe kommen und wunder denken, was er für Neuigkeiten bringt." Der Abbe trat ins Zimmer.
"Wir wissen alles!" rief Friedrich ihm entgegen, "macht es kurz, denn Ihr kommt bloß um der Formalität willen; zu weiter nichts werden die Herren verlangt."
"Er hat gehorcht", sagte der Baron. "Wie ungezogene" rief der Abbe.
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