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| Wilhelm Meisters Lehrjahre 8 |
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Viertes Kapitel
Achtet man mich so wenig, daß man glaubt, es sei so was Leichtes, diesen mit jenem aus dem Stegreife wieder umzutauschen?" "Ich verlasse mich auf Sie", sagte Natalie zu Wilhelmen, indem sie ihm den Brief Theresens gab; "Sie entfliehen mir nicht. Bedenken Sie, daß Sie das Glück meines Lebens in Ihrer Hand haben! Mein Dasein ist mit dem Dasein meines Bruders so innig verbunden und verwurzelt, daß er keine Schmerzen fühlen kann, die ich nicht empfinde, keine Freude, die nicht auch mein Glück macht.
Ja ich kann wohl sagen, daß ich allein durch ihn empfunden habe, daß das Herz gerührt und erhoben, daß auf der Welt Freude, Liebe und ein Gefühl sein kann, das über alles Bedürfnis hinaus befriedigt."
Sie hielt inne, Wilhelm nahm ihre Hand und rief: "O fahren Sie fort! Es ist die rechte Zeit zu einem wahren, wechselseitigen Vertrauen; wir haben nie nötiger gehabt, uns genauer zu kennen."
"Ja, mein Freund!" sagte sie lächelnd mit ihrer ruhigen, sanften, unbeschreiblichen Hoheit, "es ist vielleicht nicht außer der Zeit, wenn ich Ihnen sage, daß alles, was uns so manches Buch, was uns die Welt als Liebe nennt und zeigt, mir immer nur als ein Märchen erschienen sei." "Sie haben nicht geliebt?" rief Wilhelm aus.
"Nie oder immer!" versetzte Natalie.
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