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| Wilhelm Meisters Lehrjahre 8 |
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Siebentes Kapitel
Einst saßen Natalie, Jarno und Wilhelm zusammen, und Natalie begann: "Sie sind nachdenklich, Jarno, ich kann es Ihnen schon einige Zeit abmerken."
"Ich bin es", versetzte der Freund, "und ich sehe ein wichtiges Geschäft vor mir, das bei uns schon lange vorbereitet ist und jetzt notwendig angegriffen werden muß. Sie wissen schon etwas im allgemeinen davon, und ich darf wohl vor unserm jungen Freunde davon reden, weil es auf ihn ankommen soll, ob er teil daran zu nehmen Lust hat. Sie werden mich nicht lange mehr sehen, denn ich bin im Begriff, nach Amerika überzuschiffen." "Nach Amerika?" versetzte Wilhelm lächelnd; "ein solches Abenteuer hätte ich nicht von Ihnen erwartet, noch weniger, daß Sie mich zum Gefährten ausersehen würden."
"Wenn Sie unsern Plan ganz kennen", versetzte Jarno, "so werden Sie ihm einen bessern Namen geben und vielleicht für ihn eingenommen werden, Hören Sie mich an! Man darf nur ein wenig mit den Welthändeln bekannt sein, um zu bemerken, daß uns große Veränderungen bevorstehn und daß die Besitztümer beinahe nirgends mehr recht sicher sind."
"Ich habe keinen deutlichen Begriff von den Welthändeln", fiel Wilhelm ein, "und habe mich erst vor kurzem um meine Besitztümer bekümmert. Vielleicht hätte ich wohlgetan, sie mir noch länger aus dem Sinne zu schlagen, da ich bemerken muß, daß die Sorge für ihre Erhaltung so hypochondrisch macht."
"Hören Sie mich aus", sagte Jarno; "die Sorge geziemt dem Alter, damit die Jugend eine Zeitlang sorglos sein könne. Das Gleichgewicht in den menschlichen Handlungen kann leider nur durch Gegensätze hergestellt werden.
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