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Wilhelm Meisters Lehrjahre 8

Wilhelm Meisters Lehrjahre 8
Erstes Kapitel
Zweites Kapitel I
Zweites Kapitel II
Drittes Kapitel I
Drittes Kapitel II
Viertes Kapitel
Fünftes Kapitel I
Fünftes Kapitel II
Sechstes Kapitel
Siebentes Kapitel
Achtes Kapitel
Neuntes Kapitel I
Neuntes Kapitel II
Zehntes Kapitel I
Zehntes Kapitel II


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Sechstes Kapitel 

Die Gesellschaft hatte sich eben wieder begegnet, und unsere Freunde sahen sich genötigt, das Gespräch abzubrechen. Nicht lange, so ward ein Kurier gemeldet, der einen Brief in Lotharios eigene Hände übergeben wollte; der Mann ward vorgeführt, er sah rüstig und tüchtig aus, seine Livree war sehr reich und geschmackvoll. Wilhelm glaubte ihn zu kennen, und er irrte sich nicht, es war derselbe Mann, den er damals Philinen und der vermeinten Mariane nachgeschickt hatte und der nicht wieder zurückgekommen war.
 
Eben wollte er ihn anreden, als Lothario, der den Brief gelesen hatte, ernsthaft und fast verdrießlich fragte: "Wie heißt Sein Herr?"
 
"Das ist unter allen Fragen", versetzte der Kurier mit Bescheidenheit, "auf die ich am wenigsten zu antworten weiß; ich hoffe, der Brief wird das Nötige vermelden; mündlich ist mir nichts aufgetragen."
 
"Es sei, wie ihm sei", versetzte Lothario mit Lächeln, "da Sein Herr das Zutrauen zu mir hat, mir so hasenfüßig zu schreiben, so soll er uns willkommen sein."—
 
"Er wird nicht lange auf sich warten lassen", versetzte der Kurier mit einer Verbeugung und entfernte sich.
 
"Vernehmet nur", sagte Lothario",die tolle, abgeschmackte Botschaft.
 
"Da unter allen Gästen", so schreibt der Unbekannte, "ein guter Humor der angenehmste Gast sein soll, wenn er sich einstellt, und ich denselben als Reisegefährten beständig mit mir herumführe, so bin ich überzeugt, der Besuch, den ich Euer Gnaden und Liebden zugedacht habe, wird nicht übel vermerkt werden, vielmehr hoffe ich mit der sämtlichen hohen Familie vollkommener Zufriedenheit anzulangen und gelegentlich mich wieder zu entfernen, der ich mich, und so weiter, Graf von Schneckenfuß.""
 
"Das ist eine neue Familie", sagte der Abbe.
 
 
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