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Wilhelm Meisters Lehrjahre 8

Wilhelm Meisters Lehrjahre 8
Erstes Kapitel
Zweites Kapitel I
Zweites Kapitel II
Drittes Kapitel I
Drittes Kapitel II
Viertes Kapitel
Fünftes Kapitel I
Fünftes Kapitel II
Sechstes Kapitel
Siebentes Kapitel
Achtes Kapitel
Neuntes Kapitel I
Neuntes Kapitel II
Zehntes Kapitel I
Zehntes Kapitel II
 
 

Drittes Kapitel I 

Den andern Morgen, da noch alles still und ruhig war, ging er, sich im Hause umzusehen. Es war die reinste, schönste, würdigste Baukunst, die er gesehen hatte. "Ist doch wahre Kunst", rief er aus, "wie gute Gesellschaft: sie nötigt uns auf die angenehmste Weise, das Maß zu erkennen, nach dem und zu dem unser Innerstes gebildet ist."
 
Unglaublich angenehm war der Eindruck, den die Statuen und Büsten seines Großvaters auf ihn machten. Mit Verlangen eilte er dem Bilde vom kranken Königssohn entgegen, und noch immer fand er es reizend und rührend. Der Bediente öffnete ihm verschiedene andere Zimmer; er fand eine Bibliothek, eine Naturaliensammlung, ein physikalisches Kabinett. Er fühlte sich so fremd vor allen diesen Gegenständen. Felix war indessen erwacht und ihm nachgesprungen; der Gedanke, wie und wann er Theresens Brief erhalten werde, machte ihm Sorge; er fürchtete sich vor dem Anblick Mignons, gewissermaßen vor dem Anblick Nataliens.
 
Wie ungleich war sein gegenwärtiger Zustand mit jenen Augenblicken, als er den Brief an Theresen gesiegelt hatte und mit frohem Mut sich ganz einem so edlen Wesen hingab. Natalie ließ ihn zum Frühstück einladen.
 
Er trat in ein Zimmer, in welchem verschiedene reinlich gekleidete Mädchen, alle, wie es schien, unter zehn Jahren, einen Tisch zurechtemachten, indem eine ältliche Person verschiedene Arten von Getränken hereinbrachte. Wilhelm beschaute ein Bild, das über dem Kanapee hing, mit Aufmerksamkeit, er mußte es für das Bild Nataliens erkennen, sowenig es ihm genugtun wollte.
 
 
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