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Wilhelm Meisters Lehrjahre 8

Wilhelm Meisters Lehrjahre 8
Erstes Kapitel
Zweites Kapitel I
Zweites Kapitel II
Drittes Kapitel I
Drittes Kapitel II
Viertes Kapitel
Fünftes Kapitel I
Fünftes Kapitel II
Sechstes Kapitel
Siebentes Kapitel
Achtes Kapitel
Neuntes Kapitel I
Neuntes Kapitel II
Zehntes Kapitel I
Zehntes Kapitel II
 
 

Achtes Kapitel 

Am Abend lud der Abbe zu den Exequien Mignons ein. Die Gesellschaft begab sich in den Saal der Vergangenheit und fand denselben auf das sonderbarste erhellt und ausgeschmückt. Mit himmelblauen Teppichen waren die Wände fast von oben bis unten bekleidet, so daß nur Sockel und Fries hervorschienen.
 
Auf den vier Kandelabern in den Ecken brannten große Wachsfackeln, und so nach Verhältnis auf den vier kleinern, die den mittlern Sarkophag umgaben. Neben diesem standen vier Knaben, himmelblau mit Silber gekleidet, und schienen einer Figur, die auf dem Sarkophag ruhte, mit breiten Fächern von Straußenfedern Luft zuzuwehn.
 
Die Gesellschaft setzte sich, und zwei unsichtbare Chöre fingen mit holdem Gesang an zu fragen: "Wen bringt ihr uns zur stillen Gesellschaft?"
 
Die vier Kinder antworteten mit lieblicher Stimme. "Einen müden Gespielen bringen wir euch; laßt ihn unter euch ruhen, bis das Jauchzen himmlischer Geschwister ihn dereinst wieder aufweckt."
 
Chor Erstling der Jugend in unserm Kreise, sei willkommen! mit Trauer willkommen! Dir folge kein Knabe, kein Mädchen nach! Nur das Alter nahe sich willig und gelassen der stillen Halle, und in ernster Gesellschaft ruhe das liebe, liebe Kind! Knaben Ach!
 
wie ungern brachten wir ihn her! Ach! und er soll hier bleiben! Laßt uns auch bleiben, laßt uns weinen, weinen an seinem Sarge! Chor Seht die mächtigen Flügel doch an! seht das leichte, reine Gewand! wie blinkt die goldene Binde vom Haupt!
 
 
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